Eidechsen innerhalb des Gewerbeparks Fliegerhorst umgesiedelt

Vor kurzem wurden im Gewerbepark Fliegerhorst vom zukünftigen Gelände der Großmetzgerei Wilhelm Brandenburg Eidechsen zu einem speziell für sie neu geschaffenen Habitat umgesiedelt.

Die Biologen Andreas Malten und Annette Zitzmann sammelten die Tiere in mehrtägiger Arbeit ein und verbrachten sie in ihren neuen Lebensraum, der ebenfalls im Südbereich des Geländes neu geschaffen wurde.

Artenschutzhäuser auf dem Gewerbepark aufgestellt

In und am alten Gebäudebestand auf dem Gelände des Fliegerhorstes haben sich in den letzten Jahren verschiedene Vogelarten und Fledermäuse angesiedelt, deren Nester oder Unterschlüpfe beim bevorstehenden Abriss der Gebäude zu verschwinden drohen. Diesen Verlust galt es im Voraus auszugleichen, um etwa Sperlingen, Mehlschwalben und Mauerseglern zu ermöglichen, weiter auf dem gelände zu bleiben. 

Die Lösung, die im Rahmen des Bauleitverfahrens von der Planungsgruppe Thomas Egel erarbeitet wurde, steht seit Dienstag, 10. Juli, weithin sichtbar auf dem Gelände des Fliegerhorstes.

In sogenannten "Artenschutzhäusern", die auf sechs Meter hohen Masten angebracht werden, sind künstliche Nester für Schwalben, Mauersegler und Spatzen angebracht. Zusätzlich befinden sich im Dachraum der Häuser auch unterschiedlich ausgearbeitete Quartiere für Fledermäuse. Diese erprobte Kombination verschiedener Quartiere ermöglicht es, eine Vielzahl unterschiedlicher Nistmöglichkeiten anzubieten.

Auf dem Fliegerhorstgelände wurden drei Häuser aufgestellt. Die Häuser haben jeweils ca. 2,50 Meter Durchmesser und in jedem Haus wurden 61 Nester für gebäudebrütende Vögel verschiedener Art und Hohlräume für Fledermäuse eingerichtet. 

Ein Rundgang durch den Naturpark Fliegerhorst

 

190 Hektar Natur, darunter Biotope, wie sie sonst in der Kulturlandschaft kaum noch zu finden sind sowie Relikte aus Zeiten des Kalten Krieges finden sich in dem Teil des Fliegerhorstgeländes, welches man als „Naturpark“ bezeichnen könnte.

Aufgrund der dort noch vorhandenen Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg ist das Gelände für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Städteplaner Thomas Egel und Matthias Pollmeier vom Bundesforst berichteten über den aktuellen Stand der dort laufenden und geplanten Naturschutzmaßnahmen.

Matthias Pollmeier stellte zunächst fest, dass der Bundesforst vertraglich für die nächsten 30 Jahre für die Pflege der rund 160 Hektar großen Fläche verantwortlich ist. Ziel dabei ist die Erhaltung geschützter Arten, wie Vögel und Amphibien sowie seltene Pflanzen. Dafür muss die Landschaft offen gehalten werden, beispielsweise durch Beweidung. Dies soll unter anderem durch Galloway-Rinder, Wasserbüffel und Przewalski-Pferde erfolgen, die in Großkoppeln dort weiden sollen. Hinzu kommen die Maßnahmen zum Rückbau noch vorhandener früherer militärischer Anlagen. Zuvor müssen diese Bereiche jedoch nach Kampfmitteln abgesucht und geräumt werden, was bereits einen Großteil der zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel verbraucht. Das gesamte Gelände kann daher auch nicht komplett von Kampfmitteln geräumt werden, man verfolgt jedoch das Konzept, einzelne Wege in Zukunft für die Bevölkerung zu öffnen.

Große Probleme bereitet dem Bundesforst derzeit, dass es bei der Vergabe von Aufträgen zum Rückbau und zur Sanierung der militärischen Altlasten aufgrund von Kapazitätsengpässen bei dem hier zuständigen Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen (LBIH) zu enormen zeitlichen Verzögerungen kommt.

Das Areal der früheren Patriot-Stellung sowie die umgebenden Flächen von rund 40 Hektar sind übrigens für die Bahn AG als Ausgleichsfläche für die ICE-Trasse bei Mannheim vorgesehen. Da derzeit ein neues Planfeststellungsverfahren läuft, muss man mit mehreren Jahren rechnen, bis hier ein Rückbau erfolgen kann. Nach derzeitigem Stand soll dort ein natürlich wachsender Wald entstehen.„Wir haben bereits dort alle Maßnahmen umgesetzt, für die keine Kampfmittelräumung erforderlich ist, sind darüber hinaus aber abhängig vom LBIH, da der Bundesforst keine eigene Bauverwaltung besitzt. Die zeitlichen Verzögerungen sind für uns sehr ärgerlich“, so Matthias Pollmeier.

Daran hängt zum Beispiel auch die Einrichtung eines Wegesystems für Feuerwehr und Rettungsdienste, wie es in der verabschiedeten Gefahrenabwehrverordnung gefordert wird. Dieses „Blaulicht-Wegesystem“ bietet sich auch für spätere Rundwanderwege an, wenn die geplanten Großkoppeln eingezäunt werden können. Neben den Wegeflächen muss auch der zum Setzen der Zäune in Frage kommende Bereich allerdings zuvor nach Kampfmitteln abgesucht und geräumt werden.

Sowohl die Reste der früheren Radarstation als auch die noch stehenden Gebäude in der früheren NATO Site #5 sollen rückgebaut werden. Davon ausgenommen sind die Bunker, die als Winterquartier für Fledermäuse hergerichtet werden sowie der Beobachtungsturm, der darüber hinaus auch als Mahnmal erhalten bleiben soll.

 

 

Die Natur kehrt zurück

Biotope entstehen

Mit dem Abzug der amerikanischen Streitkräfte erobert sich die Natur Teile des Fliegerhorstes Langendiebach zurück. Rund um die Startbahn wurden und werden Biotope angelegt, die auch zukünftig gepflegt werden müssen. Eine wichtige Rolle könnten dabei auch Wasserbüffel und Przewalski-Pferde spielen. Vorteil dieser "tierischen Landschaftspfleger": Sie halten die Vegetation kurz und verhindern so langfristig, dass das beweidete Gebiet zuwächst.

Damit die schöne Landschaft auch Erholungssuchenden zur Verfügung steht, soll ein Rundweg entstehen, der das Gelände für Jedermann erlebbar macht. Angedacht ist außerdem ein Rad- und Fußweg, der von Bruchköbel aus über des Gelände bis zum Bärensee führt. 

Ökologische Ausgleichsfläche

Rund 40 Hektar Wald sollen künftig am ehemaligen Fliegerhost Langendiebach als ökologische Ausgleichsfläche neu angelegt werden. Hintergrund: Eine Fläche dieser Größe ist für den Bau der ICE-Strecke Frankfurt Mannheim gerodet worden.

Aufgeforstet werden die Bereiche um die Landebahn und die nicht bebauten Gebiete – ein rund 190 Hektar großes Areal. Das betrifft die ehemaligen Patriot Stellungen ganz im Nordosten der Fläche bis hin zum ehemaligen Nato 5 Depot im Westen. Die sogenannten Ausgleichsgebiete gliedern sich in zwei Maßnahme-Bereiche: naturschutzrechtliche Maßnahmen und waldrechtliche Maßnahmen. Die waldrechtlichen Maßnahmen beinhalten die Aufforstung für die Deutsche Bahn.

Das soll über aktive Bepflanzung, teilweise aber auch über eine natürliche Wiederaufforstung durch Besamung, geschehen. In diesem Fall werden Samen von anderen Bäumen auf natürliche Weise, zum Beispiel durch den Wind, auf das Gelände getragen. So soll eine langsame und natürliche Waldentwicklung gewährleistet werden. Den bereits ansässigen Tier- und Pflanzenarten will man so gerecht werden. Sie sollen sich in ihrem natürlichen Lebensraum entwickeln können.

Noch kein konkreter Termin

Noch sei aber offen, welche Flächen genau aufgeforstet werden und auch der genaue Zeitplan stehe noch nicht fest, so Matthias Pollmeier (Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, Bundesforstbetrieb Schwarzenborn, Funktionsbereich Naturschutz). Die Deutsche Bahn ist momentan in der Planfeststellung, diese wird erst in den kommenden Jahren abgeschlossen sein. 

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